Atlas

Die Elementarebene

Atlas von Ryssea

Eine Karte zeigt nicht, wie Ryssea ist. Sie zeigt, wie Ryssea war, als jemand sie zuletzt gesehen hat.

Das ist eine Lektion, die jeder Kartograf früher oder später lernt.

Ryssea besteht aus Splittern, getrennt durch den Nebel und verbunden durch Tore, die selbst nicht immer dort bleiben, wo man sie verzeichnet hat. Doch auch innerhalb der Splitter ist die Welt nicht unveränderlich. Flüsse suchen sich neue Betten, Wälder wandern, Wege verschwinden und Landschaften können sich über Jahre, Jahrzehnte – manchmal auch wesentlich schneller – verändern.

Eine alte Karte ist deshalb nicht zwangsläufig eine schlechte Karte. Vielleicht war sie einmal vollkommen richtig.

Die Kunst besteht darin, zu wissen, wie lange man ihr noch trauen darf.

Wappen der Kartografengilde

Nebelkarte

Die Splitter im Nebel

Im Nebel gibt es keine festen Orte und keine verlässlichen Entfernungen. Die Karte zeigt die Splitter deshalb ohne feste Lage zueinander.

Die Karte

Die bekannte Welt

Was ihr hier seht, ist der derzeitige Stand meiner Karten: die bekannten Splitter Rysseas und jene Verbindungen durch den Nebel, die sich verlässlich genug nachweisen lassen.

Betrachtet die Linien allerdings nicht wie Straßen. Nebeltore können wandern, verschwinden oder an anderer Stelle wieder auftauchen. Wo ein Weg heute sicher ist, kann morgen nur noch Nebel sein.

Nicht jedes Tor ist hier verzeichnet – und nicht jedes verzeichnete Tor wird für immer dort bleiben.

Legende

Jeder Kristall steht für einen bekannten Splitter.◆kennzeichnet das Heiligtum eines Elementarlords.◎markiert Sharanmar, die älteste bekannte Stadt Rysseas.Die Linien zeigen bekannte Nebeltor-Verbindungen zwischen den Splittern.

Übersicht

Die bekannten Splitter

Kein Splitter gleicht dem anderen. Manche tragen ganze Reiche, andere bestehen beinahe nur aus Meer, Eis oder Inseln. Auf einigen liegen Wege, die seit Generationen bereist werden; andere sind selbst unter Kartografen kaum mehr als Namen, Berichte und widersprüchliche Skizzen.

Die folgenden Karten und Aufzeichnungen enthalten, was sich über sie zusammentragen ließ. Wo ich selbst gewesen bin, habe ich mich auf meine eigenen Augen verlassen. Wo nicht, auf die Augen anderer.

Beides kann sich irren.

Aber irgendwo muss eine Karte schließlich anfangen.

SplitterCharakterVölkerEinträge
Baryia ◆Durch Krieg geformt: Pharaonenreich, Taskasia, Panthaura, NerayanMenschen, Zentauren, Panthaura, Askasi, Zwerge
23
Sultannii ◆Das Sultanat, seine Stadtstaaten und die Wüste IrravanMenschen, Tirnûn
12
Fraystein ◆Das Kaiserreich der 5 Nationen, Ebenen, Wälder und eine WaldinselMenschen, Kyulie, Phaerie
6
Marayam ◆Friedlicher Splitter der Haatias und KyulieHaatias, Kyulie, Menschen, Zentauren, Tirn, Tirnûn
5
Athyal ◆Von der lichtlosen Tiefsee bis in den Himmel; Heimat der Tiefsee-SharnaiSharnai
2
Sharanma ◆Heimat der Phaerie; Sharanmar ist die älteste Stadt RysseasPhaerie
2
Urith'Ka ◆Weiter Kontinent der N'Shkani, zur Hälfte in der Hand des SultanatsN'Shkani, Zentauren, Menschen
2
Arkthal ◆Ewiges Eis und Tundra, Land der Nord und ihrer GletscherschiffeNord, Menschen, Zentauren
1
KraegharWildes, zerklüftetes Land der Clans und der verfluchten VölkerOrks, Goblins, Trolle, Redcaps
1
MarinnaEine Stadt aus lebenden Schiffen und ein uralter heiliger BaumMarinner, Fey, Sharnai
1
Parcian Islands ◆Tropische Inselgruppe und Knotenpunkt des Handels
1
PelarynOffenes Meer, Inselgruppen und die Familiengebiete der Meeres-SharnaiSharnai
1
RyulanZwei Drachenreiche, entstanden aus einer Wette
1

Eine Küste vermessen, einen Flusslauf einzeichnen, Wege und Siedlungen vermerken – das ist der einfache Teil.

Schwieriger ist die Frage, wie lange all das stimmen wird.

Ryssea verändert sich. Nicht überall gleich schnell und selten auf dieselbe Weise. Es gibt Gegenden, deren Landschaft sich über Generationen kaum merklich wandelt. Anderswo kann eine Karte nach wenigen Jahren bereits veraltet sein. Flüsse verlagern ihren Lauf, Wälder breiten sich aus oder ziehen sich zurück, Wege verschwinden und neue entstehen.

Ein guter Kartograf zeichnet deshalb nicht nur, was vor ihm liegt. Mit der Zeit lernt er auch, eine Landschaft zu lesen: Wo ist sie beständig? Wo zeigen sich Veränderungen? Und welcher Teil einer Karte wird vermutlich als Erstes nicht mehr stimmen?

Darum werfen wir alte Karten nicht fort. Vergleicht man Aufzeichnungen aus verschiedenen Zeiten, erzählen sie nicht nur, wo etwas lag – sondern auch, wie sich ein Land verändert hat.

„Ich besitze vierzehn Karten dieser Küste. Elf davon sind inzwischen falsch. Selbstverständlich brauche ich alle vierzehn.“

Zwischen den Splittern liegt der Nebel. Wer von einem zum anderen reisen will, kommt an ihm nicht vorbei – was allerdings nicht bedeutet, dass man einfach hineinspazieren sollte.

Der gewöhnlichste und vernünftigste Weg führt durch ein Nebeltor. Diese natürlich entstandenen Übergänge verbinden zwei Splitter miteinander und machen Handel und Reisen zwischen weit voneinander entfernten Ländern überhaupt erst möglich.

„Gewöhnlich“ bedeutet allerdings nicht „zuverlässig“.

Nebeltore

Nebeltore sind nicht ortsfest. Sie können wandern, verschwinden und an anderer Stelle wieder auftauchen. Wo mehrere von ihnen zusammenkommen, entstehen wichtige Handelswege und Knotenpunkte – und dort findet man meist auch jemanden, der bereit ist, für eine aktuelle Karte erstaunlich viel Geld zu verlangen.

Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass dies vollkommen angemessen ist.

Gebaute Tore

Nicht alle Wege durch den Nebel sind natürlich entstanden.

Landweber können Verbindungen schaffen, die nach demselben grundlegenden Prinzip funktionieren wie die natürlich gewachsenen Nebeltore. Auf diesem Wissen beruhen auch künstlich errichtete Tore, mit denen bestimmte Orte gezielt miteinander verbunden werden können.

Für Reisende ist der Unterschied erheblich: Statt darauf zu hoffen, dass ein natürliches Tor noch dort liegt, wo die Karte es verspricht, kann eine solche Verbindung einen festen Reiseweg schaffen.

Zumindest ist das die Idee.

Ich habe gelernt, bei allem, was mit dem Nebel zu tun hat, dieses letzte Wort nicht leichtfertig zu verwenden.

Natürliche Übergänge

Nicht jeder Weg in den Nebel sieht aus wie ein Tor.

Mancherorts wird die Grenze zwischen einem Splitter und dem Nebel dünn. Feenkreise gehören zu den bekanntesten solcher Übergänge, doch es gibt andere – und nicht jeder Reisende erkennt einen, bevor er ihn überschritten hat.

Wer durch einen solchen Übergang tritt, reist anders als durch ein gewöhnliches Nebeltor. Ein festes Ziel lässt sich nicht immer bestimmen. Unter den Phaerie heißt es, der Nebel bringe einen dorthin, wo man hingehöre – oder dorthin, wo das eigene Schicksal warte.

Ich würde mich bei meiner Reiseplanung nicht ausschließlich darauf verlassen.

Denn im Nebel ist wenig so fest, wie wir es von den Splittern gewohnt sind. Gedanken, Erwartungen und besonders Ängste können dort schneller Bedeutung gewinnen, als einem Reisenden lieb sein dürfte.

Es gibt unter Nebelreisenden deshalb einen alten Satz:

„Wer den großen Kraken fürchtet, begegnet dem großen Kraken.“

Ob tatsächlich jedes gefürchtete Ungeheuer irgendwann aus dem Nebel kriecht, sei dahingestellt. Die Lehre dahinter ist trotzdem eine gute:

Wer den Nebel betritt, sollte nicht nur wissen, wohin er will.

Er sollte auch darauf achten, was er mit hineinbringt.